Räumung der Bonner Straße 120 vorerst ausgesetzt: Die Besetzer*innen brauchen jetzt weitere Zusicherungen
Das Haus auf dem Großmarktgelände, das von rund 30 Wohnungslosen besetzt wurde, wird nun
vorerst nicht geräumt. Das ist ein erster Erfolg für die Besetzer*innen und alle, die sie unterstützt
hatten, darunter die Linksfraktion. Die Gefahr einer Räumung ist aber noch nicht endgültig
abgewendet.
Irritierend ist aber die Begründung der Stadtverwaltung: Das Liegenschaftsamt, das dem
Verkehrsdezernat unter der Beigeordneten Frau Blome untersteht, verwaltet das Haus. Am
Montagabend hatte das Amt noch erklärt, dass es im Haus Schwarzschimmel gebe, der die
Gesundheit gefährde. Am Dienstagnachmittag gab die Verwaltung bekannt, dies habe sich nicht
bestätigt. Im Haus wurde jedoch nach Aussage der Bewohner*innen in den letzten Tagen keinerlei
Untersuchung durchgeführt.
Ratsmitglied Heiner Kockerbeck dazu:
„Die Linksfraktion verlangt von der verantwortlichen Dezernentin, Frau Blome, Aufklärung über den
plötzlichen Sinneswandel im Liegenschaftsamt. Es kann nicht sein, dass eine städtische
Dienststelle eine für Menschen folgenschwere Entscheidung mit einer Tatsachenbehauptung
begründet, die dann einfach zurückgezogen wird, wenn der öffentliche Druck wächst.“
Die bevorstehende Räumung des leer stehenden Wohnheims hatte in den letzten Tagen in der
Stadt für Aufsehen gesorgt. Es wäre also durchaus plausibel gewesen, wenn die Stadtverwaltung
die Duldung der Besetzung damit begründet hätte, dass in der Coronakrise Wohnungslose nicht
auf die Straße gesetzt werden dürfen. Schimmel in einem Haus kann durch einschlägige
Maßnahmen bekämpft werden.
Heiner Kockerbeck weiter:
„Die Menschen in der Bonner Straße brauchen jetzt eine Erklärung der Verwaltung, dass sie dort
weiter wohnen bleiben können und städtische Hilfen erhalten. Es gibt einen Mangel an
Unterbringungsplätzen für Wohnungslose in Köln. Hier haben sich Menschen selbst geholfen,
ohne jemand zu schaden. Sie wohnen in der Bonner Straße sicherer vor dem Coronavirus als in
einer engen Massenunterkunft.“
Die Linksfraktion hatte darauf verwiesen, dass im Gebäude keines falls "unhaltbare Zustände"
herrschen, wie die Stadt behauptet hatte. Alle Menschen haben dort ein einzelnes Zimmer,
warmes Wasser, Strom und Sanitäranlagen. Es handelt sich ja um ein ehemaliges Wohnheim. Sie
haben sich organisiert und z.B. Hygiene-Regeln gegen den Coronavirus ausgehängt.
Die Besetzung des Wohnheims hat einen Charakter, der über die Coronakrise hinausweist. Die 30
Wohnungslosen sollten wenigstens bis zum Abriss des Hauses dort selbstorganisiert wohnen
können, mit städtischen Hilfsleistungen.
Heiner Kockerbeck hierzu:
„Die Besetzer wollen nicht, dass die Stadt ihnen ein fertiges Haus hinstellt. Sie sind dazu bereit,
selbst Hand anzulegen. Zugleich braucht Köln im Rat und in der Öffentlichkeit eine Diskussion
darüber, wie Strukturen für Selbsthilfe und für selbstbestimmtes Wohnen der aktuell
Wohnungslosen in der Kommune ausgebaut werden. Die Kommunen, Land und Bund müssen
grundsätzlich mehr für diese Personengruppe tun. Die Coronakrise bietet die Chance, dies zu
erkennen.“
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